Daß wir das noch erleben dürfen! Ausgerechnet ein Quartett aus Helsinki sprengt alle Erwartungen modernen Sprechgesangs.
Europa erwache! Längst wäre es an der Zeit, den starr auf die USA gerichteten Blick zu lösen, wenn es um HipHop und Rap geht. Im hohen Norden bildete sich eine Gruppe namens Don Johnson Big Band, die nicht zu kennen eine musikalische Bildungslücke bedeutet ... die wir hiermit zu schließen gedenken. Zur Beruhigung sei vorab erwähnt: Don Johnson ist nicht dabei.
Father Metro (Rap), Alfonso Johnson (piano, synth), Punk Anderson (flute, sax) und Camel Freedom (guit, bass, drums) sind die Mitglieder der Big Band, eines finnischen Phänomens, das nun auch auf den Rest Europas losgelassen wird. Immerhin schoß "Breaking Daylight" sofort auf Platz eins der finnischen Charts und blieb dort. Für drei Wochen.
Um eine kleine Vorstellung vom Sound der D. J. Big Band zu bekommen, hier ein Schubladisierungsversuch: Der Rap von Father Metro erinnert an Lucas, 3D, Gonzales und Eminem - kreativ, humorvoll, mit Top-Flow und manchmal auch in affenartiger Geschwindigkeit; der definitiv talentierteste non-native MC seit Jahr(zehnt)en. Musikalisch merkt man schon an den Instrumenten im Line-up, daß hier kein HipHop der konventionellen Marke entstehen soll. Um Konventionen scheinen die vier ohnehin nicht bemüht, und gerade das ermöglicht das Verlassen alter Pfade. Jazzig instrumentiert, aber oft mit Pop-Appeal versetzt - so klingt "Breaking Daylight" über weite Pfade. Man mische die Roots, Bugge Wesseltoft, Lucas, (einen gut gelaunten) Tricky, Baby Namboos, DJ Vadim, Prunes ... und heraus kommt erfreulich progressiver HipHop ohne Scheuklappen.
So, wir hätten unsere Schubladen durch, doch die Don Johnson Big Band ist viel zu eigenständig, um da wirklich reinzupassen. Es ist auch gar nicht nötig, einzelne Titel des Albums speziell anzusprechen, sei es nun der Opener "One MC, One Delay" mit seinem unwiderstehlichen Groove oder das wunderbare "Royalty", das atmosphärische "Salt Water", "Jah Jah Blowjob" (was für ein Titel!) und und und. Wer "Frankfurt" und "rank third" reimt, hat sowieso alle Ampeln auf grün.
Dieses Neue, Ungewöhnliche und Wunderbare bedeutet die Rettung aus der steril-perfekten Neptunes-Welt. Alles andere als eine Höchstwertung wäre in diesem Fall vermessen.
Rating:
DAVID MEIXNER
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