Man stelle sich vor. Die ganze finnische Undergroundszene spricht von einer Band, die in ihren Anfängen in Eigenregie gerade mal 500 Kopien ihres Debutalbums presst, und diese hand-to-hand verkauft. Drei Jahre später wird ebendiese Band von Universal gesigned, und schafft mit ihrem Majorlabel-Debut "Breaking Daylight" den Sprung von 0 auf 1 in den heimischen Charts. Unmöglich? Mitnichten.
Die Don Johnson Big Band gilt seit 2003 als einer der hochgepriesensten Exportartikel aus den skandinavischen Gefilden. Letztes Jahr spielten sie bei so ziemlich jedem Festival als Headliner und gelten seither als eine der besten Live-Bands überhaupt. Bei den Emma Awards (das finnische Equivalent zum Grammy) wurden sie dann auch noch sowohl in der Kategorie "Best Song" als auch für das "Best Hip Hop/Dance Album" ausgezeichnet.
2004 erscheint "Breaking Daylight" auch hierzulande und könnte mit ein bisschen Aufmerksamkeit durchaus aus dem Geheimtip-Status heraustreten.
DJBB werden, mit nur vier Mann, als die kleinste Big Band der Welt bezeichnet, aber die für diese Sparte übliche Musikrichtung darf man sich nicht erwarten. Zwar hat ihr Sound durchaus Anlehnungen an die Musik der großen Swing- und Jazzbands dieser Welt, allerdings ist dieser angereichert mit Einflüssen aus Dub, House, Blues, Country und Pop. Das Hauptelement bildet jedoch der treibende, kraftvolle Hip Hop, und zwar jener, den wir aus alten Zeiten kennen. Wie DJBB mit einem "Hip Hop" Album so erfolgreich sein können, kann sich Frontman Tommy Lindgren nur so erklären: "Ich kann nicht genau sagen, was unsere Musik so besonders macht, aber sie hat sowohl Hip Hop-Fans als auch deren Mütter angesprochen!".
Man könnte die Jungs mit Bands wie The Roots oder auch Massive Attack, Blackalicious und Beck in eine Reihe stellen, die genauso wie DJBB die Grenzen der stereotypen Musikrichtungen überschreiten. Allerdings beginnt jeder direkte Vergleich irgendwo zu hinken, sobald man sich etwas in "Breaking Daylight" vertieft hat.
Einmal die CD eingelegt, und man kommt von der treibenden Energie einfach nicht mehr los. Ob Tanzflächen-Bomber wie "One MC, One Delay", das jeden Dancefloor füllen kann, Hip Hop-Hämmer wie "Jah Jah Blow Job" dessen Beat, Flow und Ragga-Refrain sich direkt in den Kopf hämmern, oder Slow-Jams wie "Penguin", zu dem es sich einfach gemütlich chillen läßt.
"Breaking Daylight" ist wirkliche eine CD für jede Situation und es wundert nicht mehr, wenn dieser Langspieler in Finnland 50.000 Stück verkaufen konnte.
Rating:
JONNY JELINEK
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